Delphine (FR), 42, Key Account Manager, Berlin/Deutschland
"Meine größte Herausforderung in dieser Zeit war es, auch Lehrerin sein zu müssen! Ich sehe diesen Job jetzt wirklich ganz anders."
Im März hatte ich noch das Gefühl, dass alles
normal war und dann konnten wir plötzlich nicht mehr zur Arbeit gehen und die
Schulen waren geschlossen. Es war schon eine Überraschung. Obwohl wir alle
wussten, was zum Beispiel in Italien los war, haben wir das wohl komplett
verdrängt.
Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass wir großes
Glück hatten, in Deutschland zu leben, wo wir noch etwas Freiheit hatten und wo
die Sterblichkeitsrate ziemlich niedrig war.
Wir haben 3 Kinder (10, 8 und 5), also hat sich
mein Mann während der Quarantäne am Vormittag um sie gekümmert und ich habe
dann die Nachmittagsschicht übernommen. Das hat wiederum bedeutet, dass ich am
Morgen im Home Office arbeiten konnte und er am Nachmittag. Und all die Dinge,
für die wir tagsüber keine Zeit finden konnten, mussten wir dann halt abends
erledigen ...
Was ich am meisten vermisst habe... Leute sehen! Ins
Kino gehen, eine Ausstellung sehen. Aber es war ganz ok, denn wir hatten ja immer
noch die Möglichkeit hinauszugehen. Wir leben in der Nähe eines Parks, sodass
die Kinder nach draußen gehen konnten, um zu spielen. Wir hatten das Gefühl,
dass es viel schlimmer gewesen wäre, wenn wir nicht in Deutschland gewesen
wären, sondern woanders, zum Beispiel in Frankreich.
Meine größte Herausforderung in dieser Zeit war
es, auch Lehrerin sein zu müssen! Ich sehe diesen Job jetzt wirklich ganz anders.
Alles in allem habe ich keine wirkliche Angst,
vielleicht nur vor den wirtschaftlichen Folgen der Krise, aber ich hatte keine
Angst, an COVID 19 zu erkranken.
Indirekt hatte der Lockdown insofern berufliche
Konsequenzen für mich, als mir klar wurde, dass ich nicht mehr für mein
Unternehmen arbeiten und kündigen wollte. Dies ist der positive Aspekt, den ich
aus dieser Krise ziehen kann: Wie schön es war, so viel Zeit mit der Familie zu
verbringen, was mir dann auch geholfen hat, die richtige Entscheidung hinsichtlich
meines Jobs zu treffen.
In Bezug auf die Zukunft denke ich, dass wir uns der Wirtschaftskrise stellen müssen, aber insgesamt bin ich leider überzeugt, dass es keine tiefgreifenden Veränderungen geben wird. Ich selbst habe vor, zu kündigen und einen Job zu suchen, der mir Spaß macht. Und mehr Zeit mit den Kindern zu verbringen.
Back in March, I felt everything was normal and then suddenly we could not go to work anymore and the schools were closed. So it came as a surprise. Although we all knew what was going on in Italy for instance, I guess, we were in denial.
Overall, I had the feeling that we were very lucky to live in Germany, where we still had some freedom and where the mortality rate was quite low.
We have 3 children (10, 8 and 5), so during quarantine my husband took care of them in the morning and I did the afternoon shift. It meant that we worked in home office, morning for me and afternoon for him. And all the stuff that we did not have time to do during the day, we had to get done in the evening...
What I missed the most... Seeing people! Going to the movie, seeing an exhibition. But it was quite ok, because we still had the possibility to go out. We live near a park, so the children could go outside to play. We had the feeling that it would have been a lot worse, if we had not been in Germany, but somewhere else, for instance in France.
My greatest challenge during this time was to have to be a teacher! I really see this job differently now.
All in all, I am not really afraid, maybe only of the economic consequences of the crisis, but I was not afraid to get the COVID 19.
Indirectly, the lockdown had professional consequences for me, in that it made me realise that I did not want to work for my company anymore and I had to quit. This is the positive aspect that I can derive from this crisis: How great it was to spend so much time with the family, which helped me to take the right decision about my job.
What will stick with me forever is the feeling that we were experiencing something exceptional, but I will always remember the first time I saw my friends again for my birthday, I was euphoric!
As to the future, I think that we will have to face the economic crises, but overall, unfortunately, I am convinced there will not be deep changes. I for myself plan to resign and to find a job that I like. And to spend more time with the kids.